ProWein - März 2025

Tag1 - Bordeaux

Wir verkosten 27 Weine aus dem Bordeaux. Von teuer bei preiswert, alle Lagen und Subregionen sind dabei. Wir treffen auf berühmte und weniger berühmte Weingüter. Und wir werden von unseren Bordeaux Fans Stefan & Ralf (s Mai 2024) durch das Dickicht der Weingüter, die sich sortiert nach Lagen aufbaut haben, geführt.


Die Unterschiede der Subregionen lassen sich, wenn man sich konzentriert oder mehr Übung hat als ich tatsächlich herausschmecken.

 

Aus den insg. 27 Weinen haben wir zwischen den nuanciellen Unterschieden tatsächlich unsere 2 Favoriten herausgefunden:

 

Chateau Pichon-Longueville-Baron, Pauillac, 2022 (220€).


81% Cab Sauv, 18% Merlot. Die Cuveé könnte man in Relation zu all den anderen Bordeaux Weinen schon fast als weich bezeichnen. Das Tannin ist perfekt ausbalanciert und hält sich dezent im Hintergrund. Intensive Kirsch Aromatik, weich und seidig auf der Zunge. Das Säuregerüst verleiht dem Wein eine angenehme Frische. 9,5. Der Preis ist enorm.

Chateau La Croix de Gay, Pomerol, 2022 (468€).


Der Weinberg beträgt nur 4,2ha und liefert für diesen Wein 20.000 Fl in die Cuvee aus 89% Merlot und 11% Cab Franc. Ein ausdrucksstarker Wein. Im Mund kommt es zu einer wahren Geschmacksexplosion voller Frucht und dezent strukturierter Maskulinität. Unabhängig vom Preis der für uns beste Bordeaux in der Verkostung. Normalerweise würden wir hier deutlich über die 9,5 gehen. Bei dem Preis müssen wir aber leider Abstriche machen. 8,7.

Es waren die einzigen Weine aus der Horizontalen, die zum jetzigen Zeitpunkt eine merkliche Struktur ausweisen, Fruchtaromen spürbar machen und von daher jetzt und sicherlich in den nächsten Jahren Spaß machen werden. Auch  diese Exemplare zeigten hinten heraus merkbares Tannin, welches für unser persönliches Geschmacksempfinden noch im vertretbaren Rahmen liegt.


Mein Bordeaux Benchmark Clos Dubreuil war nicht auf der Probe. Der CB ist deutlich dichter und kräftiger, einhergehend mit etwas mehr Tannindruck. Der CB verkörpert für mich top strukturierte, maskuline Geschmackspower bei maximal verträglichem Tannin. Bei unter 80€ fast schon ein Schnapper.


Wir verkosten des Weiteren:

 

Bei den anderen 20 Roten der Probe werden die geschmacklichen Nuancen für unser Empfinden zu sehr durch Tannin überlagert. Na klar, die Geschmacksunterschiede der Regionen sind spürbar. Aber ganz ehrlich: bei dem allgemeinen Tannindruck springen einem die nuanciellen Unterschiede nicht gerade spontan von den Knospen ins Gehirn.

 

Die hochherrschaftlichen Chateaus im Bordeaux hinterlassen verständlicherweise ihren Reiz. Aber das Argument der benötigten langen Lagerung, durch die das Tannin abgebaut und der Wein dann großartig wird, kann ich nicht gelten lassen. Wozu soll ich mich zurückhalten und geschmacklich kasteien, wenn ich doch große Weine auch schon nach kürzerer Zeit der Lagerung von 4 oder 6 Jahren OHNE Tanninkleid genießen kann.

 

Praktisch alle anderen Länder und Regionen auf dem Globus beweisen, dass lange Lagerzeiten auch mit dezentem Tannin und zu vgl.weise günstigeren Preisen machbar sind. Die Weine von Monteverro aus dem Bolgheri, das riesige Portfolio von Mariano Garcia aus dem Ribera del Duero oder aber auch die Weine von Peter Sisseck von der Hacienda Monasterio sind nur ein paar wenige Beispiele.

Und mit Blick auf z.B. Chateau Musar aus dem Becca Tal ist nachgewiesen, dass große Weine mit extremer Langlebigkeit auch zu verträglichen Preisen machbar sind. Der 1970er Chateau Musar, verkostet auf der ProWein im Jahr 2023 gehört zu diesen Legenden.

 

In der Presse wird beschrieben, dass sich der Tannintrend im Bordeaux langsam ändert. Es besteht also Hoffnung ... zumindest für uns! Bleibt abzuwarten, wie sich die Verkaufszahlen in den nächsten Jahren in diesem Luxussegment entwickeln und wie stark der Leidensdruck der Chateaus wächst, hier einzulenken.

 

Bis es so weit ist, werden wir die Vielfalt des Plant Wein an anderer Stelle genießen.

Doch jetzt vergnügen wir uns noch mit ein paar Weißen aus dem Bordeaux:

 

Domaine de Chevallier, blanc, Pessac Leognan, 2022 (130€).

 

Sauvignon Blanc 70%, Semillon 30%. Hochintensive Nase (Apfel, Zitrone). Im Mund dicht und druckvoll. Zu teuer. 9,0.

 

Chateau Pape Clement, blanc, Pessac Leognan, 2022 (144€).

 

Sauvignon Blanc 57%, Semillon Blanc 39%, Muscadelle 4%. Dezenter als der Chevallier. Er kommt etwas stumpf rüber. 8,7.

 

Chateau Smith Haut Lafitte, White, 2022, Pessac Leognan (200€).

 

Sauvignon Blanc 90%, Sauvignon Gris 5%, Semillon 5%. Dicht, ausgewogen, lang. Zitronige Noten, Mandeln. Eigentlich würden wir hier eine 9,4 vergeben. Bei dem Preis gehen wir auf 8,7.

 

Chateau Lafaurie Peyraguey, Sauternes, 2022 (100€).

 

Semillon 95%, Sauvignon Blanc 5%. Karamell, cremig und extrem kraftvoll. Satte Fruchtsüße, die sich lang und geschmeidig im Mundraum ausbreitet. Großartig (9,8) aber teuer. 9,0.

 

Chateau La Tour Blanche, Sauternes, 2022 (70 €).

 

Semillon 85%, Sauvignon Blanc 10%, Muscadelle 5%. Etwas weniger Karamell, mehr Exotik und mehr Würzigkeit. 9,5.